BESSERE AUSBILDUNG IST DRINGEND

Welche Schlüsselkompetenzen brauchen angehende Touristiker? Was müssen Aus- und Weiterbildung in Betrieben oder in Studiengänge leisten, um Reiseveranstalter, Expedienten, Hoteliers, Gastronomen und sonstiges Personal der Tourismuswirtschaft fit zu machen: für die anstehenden, massiven Marktveränderungen nicht nur durch die Digitalisierung? Diese Fragen diskutierten am 8. Oktober fünf Experten in einem Panel, aber auch mit 33 Skål-Mitgliedern und Gästen im Publikum: beim Monatstreffen des Skål International Berlin im ARCOTEL John F. Berlin gleich neben dem Auswärtigen Amt.

Exklusiv vorgestellt wurden erste Ergebnisse des Forschungsprojekts zu genau diesen Fragen der „Next Tourism Generation Alliance“, das in Deutschland angesiedelt ist im Deutschen Seminar für Tourismus Berlin unter der Leitung von Christiane Garbe. Mit ihr auf dem Podium diskutierten der Gründer und Geschäftsführer der Agentur neusta Grafenstein GmbH für Tourismusmarketing und Destinationsmanagement Frank Grafenstein, Martin Balas von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde mit seiner Expertise unter anderem in Corporate Social Responsibility und Gesellschafter bei TourCert gGmbH, Norman Radtke von Gartner-Steffen Personalentwicklung und Max Hübner als Mitglied des Berliner Skål-Vorstands und Vertreter des Young Skål.

Die Studie entsteht gerade mit 14 Partnern aus acht Ländern, die meisten davon Hochschulen. Von Januar bis März 2019 wurden weit mehr als 200 Tourismusmanager befragt. In einer Stufung von eins bis fünf Punkten wiesen sie den Sozialen Kompetenzen den höchsten Wert zu: mit aktuell 3,59 und zukünftig 4,17 Punkten. „Grüne“ Kompetenzen, also Wissen und Umweltschutz, erreichten aktuell die Durchschnittswerte 3,06 und zukünftig 3,72. Digitale Kompetenzen kamen aktuell nur auf die Werte von 2,74 und für die Zukunft 3,64. Empirisch deutlich wurde damit, dass die Tourismuswirtschaft heute und in der Zukunft vor allem aus dem Dienst am Kunden besteht. So erzielte bei den einzeln aufgeschlüsselten Sozialen Schlüsselkompetenzen die Kundenbindung die allerhöchsten Werte mit aktuell 4,06 und zukünftig 4,53 Punkten, gefolgt von Altersgerechten Angeboten & Services (3,66/4,29), Veränderungsbereitschaft sowie Lern- und Leistungsbereitschaft (jeweils 3,35/4,28), Mündliche Kommunikation (3,78/4,27) und Schaffung eines positiven Arbeitsumfelds (3,64/426). Die Studie geht noch sehr viel weiter ins Detail, und will auch Lösungsansätze entwickeln, worüber auf der Veranstaltung ebenfalls berichtet wurde. Für alle Kompetenzen der Mitarbeiter weist sie nach, dass die Zukunft deutlich höhere Anforderungen als die Gegenwart bringt – dass die Aus- und Weiterbildung in Betrieben und an Hochschulen also enorm gefordert ist.

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Frank Grafenstein mahnte, in der Praxis erlebe er die Defizite bei den Kernkompetenzen „noch dramatischer als diese Zahlen“. Für ihn steht fest: „Viele Unternehmen werden aus dem Markt verschwinden, weil die Problematik für sie nicht handhabbar ist.“ Christiane Garbe merkte an: „Manche Manager werden sich noch umgucken, weil sie ganz stark lernen müssen, Daten auszuwerten.“ Martin Balas hob hervor, bei den als vorrangig erkannten Sozialen Kompetenzen müsse ein vielleicht altmodisch anmutender, aber zeitloser Wert im Vordergrund stehen: „Es ist die Persönlichkeit, die so viel ausmacht; wir brauchen eine gewisse Haltung“. Max Hübner riet: „Man muss junge Menschen auch einfach mal machen lassen.“

In der Diskussion mit dem Publikum wurde die altbekannte Forderung laut, die Tourismus-Institute an den Hochschulen sollten endlich Praxisrelevantes forschen und lehren. In der Diskussion mit anwesenden Studierenden aber zeigte sich, dass die Tourismusforschung dies schon längst leistet – aber bitte auch erwarten darf, von der Praxis darin wahrgenommen zu werden. Die Studierende Irina Henschel von der IUBA Hochschule berichtete unter Beifall über ihre Erfahrungen mit dem dualen Studium, das Forschung und Hochschullehre mit praktischer Arbeit unter anderem in Hotels verbindet: „Alles, was wir heute im Studium lernen ist für die Praxis relevant, aber im Betrieb dürfen wir dann zu wenig davon anwenden.“ Es fehle zu häufig ein positives Arbeitsumfeld. „Wir sind bereit, viel zu leisten, aber werden zu oft schlecht behandelt.“ Die Konsequenz sei: „Dann gehen wir woanders hin“. Frank Grafenstein erwiderte, die Tourismuswirtschaft könne nicht nur aus Managern bestehen, fragte aber auch: „Wie können wir fehlende Anerkennung zurück in unsere Berufe bringen?“

Christiane Garbe fasste die Ergebnisse der Diskussion um die Kernkompetenzen für die Zukunft der Tourismuswirtschaft in drei Punkten zusammen: „Erstens müssen wir besser voneinander lernen, und das sowohl zwischen Branchen als auch zwischen Generationen; zweitens müssen wir alle in der Branche mit ins Boot nehmen, auch das Zimmermädchen, und drittens ist Qualifizierung eine permanente Aufgabe.“

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Der Berliner Skal-Präsident Alex G. Elsohn schloss die Diskussion mit einem großen Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer und Max Hübner als Organisator des Abends – und leitete zum Abendessen über mit der Feststellung: „Auch am heutigen Abend durften wir erleben, was Skål ausmacht: exklusive Einblicke in die Tourismuswirtschaft und spannender, lebendiger Austausch mit ausgewiesenen Kennern der Branche.“ Und so taten dann an diesem Abend gleich drei Gäste kund, sie würden dem Club beitreten. Welcome to Skål!

Ein Kommentar zu „BESSERE AUSBILDUNG IST DRINGEND

  1. Tolle Geschichte, aber es zeigt auch wieder, dass sich solche Projekte auf großteilige Unternehmen beschränken, weil leichter händelbar und größeres Budget dafür. Was ist aber mit der (noch) in der Mehrzahl befindlichen Kleinunternehmen, wie Reisebüros z.B. ? Auch aus dem Blickwinkel der Studierenden wirken solche Unternehmen nicht attraktiv. Aber gerade dort wird gewaltiges geleistet an Ausbildung, Wissensweitergabe und Persönlichkeitsbildung. Auch sollte man ansetzen um Förderung und Anreize zu schaffen, sich der Digitalisierung, der sozialen Kommunikation und der Zukunft zu öffnen.

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